Title: Medizinisches Cannabis im Straßenverkehr
Published: 27. August 2020
Last modified: 7. Februar 2024

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# Medizinisches Cannabis im Straßenverkehr

 Veröffentlicht am 27. August 20207. Februar 2024

Generell gilt: Wer unter dem Einfluss von berauschendem Betäubungsmittel ein Fahrzeug
führt, hat mit weitreichenden Folgen wie zum Beispiel dem Entzug der Fahrerlaubnis
zu rechnen. Doch wie sieht die Rechtslage aus, wenn Cannabis als medizinische Notwendigkeit
vom Arzt verschrieben und vom Patienten als solches eingenommen wird? Als [Anwalt für Strafrecht in Berlin](https://www.kanzlei-sebel.de/strafrecht/)
beraten und vertreten wir Sie zu allen Anliegen rund um das kritische Thema **pharmazeutisches
Cannabis** in Bezug auf die Fahrerlaubnis.

## Welchen Einfluss hat Cannabis auf den Körper?

Unter Medizinern und Konsumenten ist bezüglich der Wirkung von Cannabis ein breites
Spektrum bekannt, das bei jedem Menschen anders aussehen kann. Während die einen
von euphorischen Gefühlen eingenommen werden, sprechen andere von einer tiefen körperlichen
sowie geistigen Gelassenheit. Oftmals ist das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt 
und es liegt eine **realitätsferne Wahrnehmung** von Zeit, Raum und Bewegungsabläufen
vor. Es sind auch weitreichende unvorhergesehene Auswirkungen wie Panikattacken,
Verfolgungswahn oder Übelkeit möglich.

Somit kann Cannabis, allgemein gesprochen, in jeglicher Form auf das Verhalten im
Straßenverkehr einwirken, beispielsweise indem der Fahrer nur zeitverzögert reagiert
oder eine Gefahrensituation nicht als solche einschätzen kann.

## Wann kann ein Arzt medizinisches Cannabis verschreiben?

Unter bestimmten Voraussetzungen und für bestimmte Therapiemethoden können Ärzte
in Deutschland Patienten pharmazeutisches Cannabis verschreiben. Dazu gehören unter
anderem die folgenden Erkrankungen oder Symptome:

 * **Chronische Schmerzen**
 * **Muskuloskelettale Schmerzen**
 * **Epilepsie**
 * **Übelkeit nach einer Chemotherapie**
 * **Appetitlosigkeit bei HIV**
 * **Angst- und Schlafstörungen**
 * **Tourette**

Hierbei liegt es im Ermessen des Arztes, zu entscheiden, ob, in welcher Dosierung
und in welcher Häufigkeit das Cannabis zu sich genommen werden sollte. Oftmals entscheiden
Patienten auch je nach Tagesform und Schmerzempfinden selbst über die Einnahme.

## Welchen Einfluss hat die Anwendung von Cannabis auf die Fahrerlaubnis und die Fahrtüchtigkeit?

Wie bereits an den vielseitigen Symptomen von Cannabiskonsum zu erkennen ist (Euphorie
und Gelassenheit, aber auch Panik und Verfolgungswahn), kann Cannabis einen großen
Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit ausüben. Dies gilt insbesondere bei dauerhaftem
Konsum, da dieser die **Konzentration beeinflussen** kann.

Im Einzelfall muss die Fahrtüchtigkeit je nach Schwere der Krankheit, ihren Symptomen
und dem individuellen Einfluss von Cannabis vom Mediziner **individuell eingestuft**
werden. Jedoch gilt laut Verordnung der Bundesregierung, dass Cannabispatienten 
mit medizinischer Verordnung grundsätzlich normal am Straßenverkehr teilnehmen dürfen.
Sprich: Dem Fahrkurs und regelmäßigen Autofahrten steht generell nichts im Weg. 
Auch bedeutet der Konsum von medizinischem Cannabis bei einer Verkehrskontrolle 
nicht automatisch, dass der Führerschein entzogen wird.

Entscheidend für die erlaubte Teilnahme am Straßenverkehr ist:

 * die individuelle Einschätzung des Fahrers in Bezug auf seinen Gesundheitszustand
   und seine Fahrkontrolle. Kann ein Cannabis-Patient das Fahrzeug nicht unter Kontrolle
   halten, drohen Strafen.
 * die umfangreiche und fachkundige Meinung des zu behandelnden Arztes. Ist dieser
   der Meinung, dass ein Patient keine Beeinträchtigungen aufweist, ist er grundsätzlich
   fahrtüchtig.
 * dass der Patient sich an die verschriebene Dosierung des pharmazeutischen Cannabis
   hält und kein illegal beschafftes Cannabis konsumiert.
 * dass der Fahrer die ärztliche Bescheinigung über das pharmazeutische Cannabis
   mit sich führt.

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